
Projekt 2
Im Vergleich zu anderen Energieträgern sind Luft-/Wasser-Wärmepumpen unschlagbar effizient. Mit Unterstützung von Photovoltaik und Batterien liegt der Selbstversorgungsgrad weit über 80 Prozent, wie das Beispiel eines Mehrfamilienhauses in Reinach beweist.
Mehrfamilienhaus in Reinach
Im Mehrfamilienhaus an der Baslerstrasse 151 in Reinach steht die Heizung ganze 2,5 Tage still – und das in der Übergangszeit mit Aussentemperaturen zwischen 10 und 15 Grad. «Das ist ja unglaublich!»: Hausbesitzer Friedrich Gerber kann es kaum fassen, aber es ist wahr. Dank der Raumsteuerung in einer Referenzwohnung der Liegenschaft läuft die Heizung nur, wenn sie wirklich gebraucht wird. So kann die Wärmepumpe eine Pause einlegen, sobald die Sonne durch das Fenster scheint und die Räume etwas aufheizt.

Spitzenleistung auf dem Dach
Ein weiterer Grund für die lange Pause der Wärmepumpe: Die Pufferspeicher im Heizungsraum zehren noch immer von der Energie, die in den letzten Tagen und Stunden vom Solardach gekommen ist. Die Photovoltaikanlage erstreckt sich über die gesamte Dachfläche von rund 200 m2 und hat eine Spitzenleistung von 52 kWp. «Bei dieser Anlage liegen die Gestehungskosten für den Solarstrom bei 6 Rp/ kWh, während der Strom vom Netz 30 Rp/kWh kostet», sagt Andy Börlin, der mit seiner Firma sparrow GmbH die Anlage geplant und installiert hat.
Mit so viel Sonnenstrom vom Dach kann der Hausbesitzer ohne schlechtes Gewissen zwei moderne Luft-/Wasser-Wärmepumpen laufen lassen – eine für Warmwasser und Heizen und die andere nur zum Heizen. «Der Selbstversorgungsgrad der Heizung liegt übers Jahr gesehen bei rund 84 Prozent».
Da der Stromversorger zwischen 12 und 16 Uhr nur 5 Rp. Einspeisevergütung zahlt, läuft während dieser Zeit die Wärmepumpe auf Hochtouren. «In dieser Zeit gilt es natürlich, möglichst viel Strom selber zu verbrauchen». Der Strom, der nicht von der Wärmepumpe verbraucht wird, speichert der Hauseigentümer in Batterien.

Nur mit Spitzenleuten möglich...
Eine derart geniale und zudem gänzlich CO2-freie Lösung ist nur mit Spitzenleuten möglich. Neben dem Topfachmann Andy Börlin wurden wir als Heizungsfachfirma beigezogen, wir haben ein absolut energieeffizientes Luft-/Wasser-Wärmepumpen-System eingebaut. «Mit dieser Anlage beweisen wir einmal mehr, wie unschlagbar Luft-/Wasser-Wärmepumpen gegenüber anderen Energieträgern sind».
«Bezüglich Energieeffizienz kann eine Fernwärmeheizung einer Luft-/Wasser-Wärmepumpe niemals das Wasser reichen». Fernwärme ist auch nicht wirklich CO2-neutral: In der kalten Jahreszeit wird für die Energieproduktion entweder Holz oder Gas verwendet; im Fall von Holz kann dies zudem die Luft mit schädlichem Feinstaub belasten. Umso weniger Verständnishabe ich, Martin Omlin, für die aktuelle Energiepolitik des Kantons Basel-Stadt, der ab Mai die Subventionen für Wärmepumpen bis 70 kW halbiert und über 70 kW ganz abschafft.
Der Luft-/Wasser-Wärmepumpe weit unterlegen wäre im Übrigen auch eine Erdsonden-Wärmepumpe, die dem Prinzip des Schutzes von Grund und Boden widerspricht: Um genug Energie für das Mehrfamilienhaus mit sechs grossen Wohnungen zu liefern, wären so viele Bohrungen nötig, dass der Boden rund ums Haus mehr Löcher bekäme als ein Emmentaler Käse.
Klar hat der Hausbesitzer eine schöne Stange Geld in die neue Energieversorgung investiert. Doch er hat bewusst und richtig investiert, denn die Energiekosten sind im Vergleich zur alten Gasheizung stark gesunken. So lässt sich die Investition innert nützlicher Frist spielend amortisieren. Und der Hausbesitzer ist der Zeit voraus – weit voraus: Bereits hat er in der Tiefgarage die Infrastruktur für das Aufladen von E-Autos installiert.
